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COLLIDING HUMANS

Social Interaction on the Internet

Mit Arbeiten von / with works by 
Jonas Blume, Manja EbertAron LesnikLauren Moffatt 

Eröffnung: 27. September 2019, 19 Uhr

Artist Talk: 2. Oktober 2019, 19 Uhr

Mit der Kuratorin Peggy Schoenegge und den Künstler*innen Jonas Blume, Manja Ebert und Aron Lesnik.

Ausstellungszeitraum: 28. September bis 6. Oktober 2019

Öffnungszeiten: 15 - 19 Uhr

Im: Raum für drastische Maßnahmen,

Oderstraße 34, 10247 Berlin

Kuratiert von 

Tina Sauerländer und Peggy Schoenegge (peer to space)

Organisiert vom medienkunst e.V. – Verein für zeitgenössische Kunst mit neuen Medien

Die teilnehmenden Künstler*innen sind Mitglieder des medienkunst e.V.

„Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder.“ Das ist das Ergebnis zweier Harvard-Studien, die 75 Jahre lang mit über 600 Probanden erforscht haben, was Menschen wirklich glücklich macht. Was passiert nun mit unseren Beziehungen, wenn wir uns größtenteils über das Internet verständigen?

 

Online-Kommunikation überbrückt physische Distanzen und verbindet uns miteinander. Problemlos schicken wir Nachrichten über Kontinente hinweg und erhalten sekundenschnell eine Antwort. Jedoch fehlt das physische Gegenüber. Körper, Mimik und Gestik des Anderen sind nicht mehr Teil des zwischenmenschlichen Austauschs. Wir sind mit dem Screen allein, während wir sozial interagieren. Wie ein Spiegel wirft uns der Bildschirm auf uns selbst zurück. Nur die eigene Weltsicht befindet sich mit uns im Raum, während die der anderen aus dem Blickfeld geraten. Diese einseitige Wahrnehmung kann zu Empathieverlust und schließlich zu respektlosen, hasserfüllten Kommentaren führen. Sobald wir selbst persönliche Informationen im Internet veröffentlichen, sind wir der Bewertung durch andere ausgesetzt, können aber umgekehrt auch selbst kommentieren.  

 

Die in der Ausstellung versammelten Arbeiten beschäftigen sie mit verschiedenen Formen sozialer Interaktion im Internet. Nutzer*innen streamen sich selbst schlafend und lassen sich dabei von anderen liken. Avatare in Videospielen setzen sich der Gewalt von Mitspielern im virtuellen Raum aus. Hassredner flüchten sich in Isolation und lassen ihrem Frust online freien Lauf. Andere schaffen sich eine Welt mit eigens dafür kreierten Avataren.

 

In der Arbeit Rhythm Zero Los Santos legt der Künstler Jonas Blume das Schicksal seines Avatars in die Hände seiner digitalen Kontrahent*innen im Onlinespiel Grand Theft Auto. Die von realen Mitspieler*innen gesteuerten Avatare malträtieren jenen mit diversen Requisiten wie Golfschlägern, Messern, Brecheisen und Pistolen. Der virtuelle Raum wird hier zu einem gefährlichen Ort, der alle dazu verdammt, eine aktive Rolle einzunehmen um zu überleben.

 

Die Künstlerin Manja Ebert widmet sich in ihrer Arbeit sleepingsquad einer Sektion auf dem Onlineportal younow.com, auf dem sich die Nutzer*innen beim Schlafen live streamen. Mit dieser intimen Form der Selbstdarstellung setzen sie sich bewusst der Situation aus, im Schlaf schutzlos den Reaktionen der Anderen ausgeliefert zu sein. Die Zuschauer*innen können kommentieren, liken und Geld für die Schlafenden spenden. 

 

Der Künstler Aron Lesnik begibt sich in die Rolle eines misogynen Hassredners, der alleine in seiner Wohnung herum streift. Die Arbeit ISOLATION versinnbildlicht das Gefangensein in der eigenen Welt und die Unfähigkeit Beziehungen mit anderen Menschen, besonders mit Frauen, eingehen zu können. Die Distanz zu Anderen mündet in Hasskommentare, die online gepostet und in entsprechenden Communities geteilt werden.

 

Lauren Moffatt untersucht die Online-Community der Tulpamancer, von der sie selbst ein Teil ist. Tulpamancer kreieren Avatare, sogenannte Tulpas, und geben ihnen eine eigene, virtuelle Gestalt und Identität auf sozialen Plattformen. Ähnlich wie mit imaginären Freunden pflegen sie Beziehungen mit ihnen. Sie glauben, dass die Tulpas ein eigenes Bewusstsein haben und nicht vollständig von ihrem Host gesteuert werden können. In ihnen kommt der Wunsch der Tulpamancer nach einem emphatischen Gefährten zum Ausdruck.

 

Die ausgestellten Arbeiten geben Einblick in unser Verhalten im Internet. Wir scheuen uns nicht, intimste Momente zu teilen oder gewaltsam gegen Avatare der Mitspieler*innen vorzugehen. Wir isolieren uns und agieren in Online-Communities. Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten verändern unser soziales, moralisches sowie ethisches Handeln und unser Miteinander. Die großangelegten Harvard-Studien sehen die Voraussetzungen für Glück und Gesundheit in guten Beziehungen. Es liegt an uns herausfinden, welche Kommunikations- und Beziehungsformen uns im digitalen Zeitalter zum Glücklichsein verhelfen. In unserem eigenen emotionalen Wohlbefinden liegt auch der Schlüssel für die Fähigkeit zu einem empathischen Miteinander.

 

 

Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Raum für drastische Maßnahmen, peer to space und medienkunst e.V. statt.

Opening: September 27, 2019, 7 pm  

Artist Talk: October 2, 2019, 7 pm

With the curator Peggy Schoenegge and the artists Jonas Blume, Manja Ebert and Aron Lesnik.

Duration: September 28 to October 6, 2019

Opening hours: 3 to 7 pm

At: Raum für drastische Maßnahmen,

Oderstraße 34, 10247 Berlin

Curated by

Tina Sauerlaender and Peggy Schoenegge (peer to space)

Organized by medienkunst e.V. – Verein für zeitgenössische Kunst mit neuen Medien

The participating artists are members of medienkunst e.V.

"Good relationships make us happier and healthier." That is the conclusion of two Harvard studies that spent 75 years researching with over 600 people what makes people really happy. But what happens to our relationships when we communicate mostly over the Internet?

 

Online communication bridges physical distances and connects us. We can easily send messages across continents and get an answer within a few seconds. However, the physical vis-à-vis is missing. The other's body, facial expressions and gestures are no longer part of interpersonal exchange. We are alone with the screen while interacting socially. Like a mirror, the screen echoes us back at ourselves. We share our space only with our own view of the world, while that of others remains out of sight. This one-sided perception can lead to a loss of empathy and – in the end – to disrespectful, hateful comments. As soon as we publish personal information on the Internet, we are exposed to the scrutiny of others, and on the other hand we are free to scrutinize in return.  

 

The works presented in the exhibition deal with various forms of social interaction on the Internet. Users stream themselves asleep and let others like them. Avatars in video games expose themselves to the violence of fellow players in virtual space. Hate speakers flee into isolation and let their frustration run free online. Others create a world populated by specially designed avatars.

 

In the work Rhythm Zero Los Santos, the artist Jonas Blume places the fate of his avatar in the hands of his digital opponents in the online game Grand Theft Auto. The avatars controlled by real players maltreat him with various props such as golf clubs, knives, crowbars and pistols. Here, the virtual space becomes a dangerous territory that condemns everyone to play an active role in order to survive.

 

The artist Manja Ebert dedicates her work sleepingsquad to a section on the online portal younow.com, on which the users stream themselves live while sleeping. With this intimate form of self-portrayal, they consciously expose themselves to the situation of being at the mercy of the reactions of others while asleep. The viewers inside can comment, like and donate money for the sleeping persons. 

 

Aron Lesnik takes on the role of a misogynous hate speaker, who roams around in his apartment alone. His work ISOLATION allegorizes imprisonment in one's own world and the inability to enter into relationships with other people, especially with women. The distance to others leads to hate comments, which are posted online and shared in corresponding communities.

 

Lauren Moffatt examines the online community of tulpamancers, of which she herself is a part. Tulpamancers create tulpae and give them their own virtual form and identity, sometimes on social platforms. Similar to imaginary friends, they maintain relationships with them. They believe that the tulpae have their own consciousness and cannot be completely controlled by their host. They express the tulpamancer's desire for an emphatic companion. 

 

The exhibited works offer an insight into our behaviour on the Internet. We do not hesitate to share our most intimate moments or take violent action against the avatars of other players. We shut ourselves away and lead our lives in online communities. The new alternatives for communication change the way we behave socially, morally and ethically, and they transform our togetherness. The large-scale Harvard studies suggest the conditions for happiness and health exist in good relationships. It is up to us to figure out which forms of communication and relationships help us to find happiness in the digital age. In our emotional wellbeing as individuals lies the key to our capacity for empathic togetherness.


 

 

 

 

The exhibition is a cooperation between Raum für drastische Maßnahmen, peer to space, and medienkunst e.V..

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