INTERLOCK #4: sleeping awake
Kuratiert und mit Arbeiten von / Curated and with works by
Sarah Oh-Mock, Julia Charlotte Richter, Anke Schiemann
24. – 28.03.2021

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Unsere Gegenwart: Wir scheinen mit offenen Augen zu schlafen. Draußen steht die Zeit still. Die Unwirklichkeit wächst, während unsere Träume und Wirklichkeitssimulationen zunehmend real erscheinen. Ebenso oszillieren die Protagonistinnen in den Videoarbeiten von Sarah Oh-Mock, Julia Charlotte Richter und Anke Schiemann zwischen verschiedenen Bewusstseinszuständen. Betreten wir einen verworrenen Traum oder vielmehr einen alternativen Realitätsentwurf? Ist die Realität, die wir zu erleben glauben, bloß eine gedankliche Bühne, auf der die Inhalte einer simulierten, virtuellen Realität zur Schau gestellt werden?

 

Sarah Oh-Mock, Und wenn der letzte Käfer, 2010

6:30 min, 16:9, Sound 

In einer Stadt, die an die Schauplätze alter Gruselfilme erinnert, lebt eine Frau in einer barocken Plastikwelt. Als sie in einem Kinderbett einschläft, träumt sie von der Natur, die allerdings nicht das lebendige Gegenstück zu der kalten, einsamen, sie umgebenden Zivilisation darstellt, sondern ebenfalls beängstigend, ja tot erscheint. Dort folgt sie einem Fasan tief in den Wald.

 

Julia Charlotte Richter, Down the Rabbit-Hole, 2010

HD-Video, 16:9, 06:35 min, kein Sound

Dear, dear! How queer everything is today! And yesterday things went on just as usual. I wonder if I’ve been changed in the night? (Alice im Wunderland)

In der lautlosen Projektion schwebt die Kamera durch einen zwielichtigen Raum, in dem der Fussboden mit einer Vielzahl von schlafenden Mädchen bedeckt ist. Sie scheinen von einer narkoleptischen Wolke erfasst worden zu sein. Wo sind wir, wenn wir schlafen? Und wer sind wir wenn wir erwachen? Die Arbeit zeigt ein nahezu groteskes Bild eines adoleszenten Tiefschlafes, eines Zustandes des endlosen Übergangs.
 

Anke Schiemann, I-Machina, 2021

HD-Video, ca. 04:00 min, 16:9, Sound 

Bewusstsein ist das Erscheinen der Welt. Das menschliche Bewusstsein unterscheidet sich von anderen biologisch evolvierten Phänomenen grundlegend dadurch, dass es eine Wirklichkeit dazu bringt in sich selbst zu erscheinen. Das Bewusstsein als Wirklichkeitsgenerator ist das zentrale Thema des filmischen Essays I-Machina: In einer synthetischen Welt gebärdet sich eine Tänzerin. Ihre Bewegungen werden von einer verzerrten Stimme begleitet, die gleichzeitig die eigene innere Stimme verkörpert. Ihr Körper gleicht einer lose zusammenhängenden Struktur, ähnlich wie unser Wirklichkeitsmodell, das auch jeden Moment wieder zerfallen kann.

Our present: we seem to sleep with our eyes open. Outside, time stands still. Unreality grows while our dreams and reality simulations seem increasingly real. Similarly the protagonists in the video works of Sarah Oh Mock, Julia Charlotte Richter and Anke Schiemann oscillate between different states of consciousness. Are we entering a confused dream or rather an alternative concept of reality? Is reality as we experience it everyday just a mental stage, displaying the contents of a simulated, virtual reality?

 

Sarah Oh-Mock, Und wenn der letzte Käfer (And if the last Beetle), 2010, 6:30 min, 16:9, sound 

In a city reminiscent of the settings of old scary movies, a woman lives in a baroque plastic world. As she falls asleep in a crib, she dreams of nature. Yet this nature is not the living counterpart to the cold, lonely civilization surrounding her, but instead also appears frightening — even dead. Within her dreams, she follows a pheasant deep into the forest.

 

Julia Charlotte Richter, Down the Rabbit-Hole, 2010

HD-Video, 06:35 min, 16:9, no sound

“Dear, dear! How queer everything is today! And yesterday things went on just as usual. I wonder if I’ve been changed in the night?” (Lewis Carroll, Alice in Wonderland)

In the soundless projection, the camera floats through a dubious room where the floor is covered with a multitude of sleeping girls. They seem to have been caught in a narcoleptic cloud. Where are we when we sleep? And who are we when we awaken? The work presents an almost grotesque image of an adolescent deep sleep where it becomes a state of endless transition.

Anke Schiemann, I-Machina, 2021

HD-Video, ca. 04:00 min, 16:9, sound 

Consciousness is the appearance of the world. Human consciousness differs fundamentally from other biologically evolved phenomena by causing a reality to appear in itself. Consciousness as a generator of reality is the central theme of the cinematic essay I-Machina, where in a synthetic world, a dancer gestures. Her movements are accompanied by a distorted voice that simultaneously embodies her own inner voice. Her body resembles a loosely connected structure, similar to our model of reality possibly disintegrating again at any moment.

INTERLOCK

mkv x raum on demand

Organisiert vom: medienkunstverein und raum on demand

Laufzeit: 3. bis 28. März 2021

Im: raum on demand (Alte Münze), Am Krögel 2, 10179 Berlin

Der medienkunstverein (mkv) erprobt neue Ausstellungssituationen, um andere Erfahrungsräume für Kunst außerhalb klassischer Präsentationsformen zu öffnen. In Kooperation mit dem raum on demand präsentiert der Verein zwölf Arbeiten seiner Mitglieder im ehemaligen Pförtnerhäuschen auf dem Gelände der Alten Münze in Berlin. Als temporärer Arbeitsraum für Berliner Künstler*innen wird der raum on demand zu einem Kunstort umgedeutet und zu einem Schaukasten zeitgenössischer Medienkunst. 

 

In einem wöchentlichen Rhythmus realisieren die mkv Mitglieder vier Ausstellungen, die einen Raum der Auseinandersetzung mit Themen unserer Zeit schaffen. Durch die räumliche Beschränkung  des Raumes treten die einzelnen Arbeiten unmittelbar in einen Dialog. 

 

Der Titel der Ausstellungsreihe INTERLOCK verweist sowohl auf die prozesshafte Struktur der Ausstellung, die in kollektiver Zusammenarbeit der Mitglieder entstand, als auch auf das Besetzen vorhandener Freiräume innerhalb der Berliner Kulturlandschaft zur Förderung unabhängiger Initiativen. Über den Zeitraum der Ausstellung sind die Arbeiten im raum on demand unabhängig von Öffnungszeiten jederzeit frei über den Außenraum zugänglich.

Organized by medienkunstverein and raum on demand

Duration: March 3 to 28, 2021

At: raum on demand (Alte Münze)Am Krögel 2, 10179 Berlin 

The medienkunstverein (media art association / mkv) is testing new exhibition formats to open other experiential spaces for art outside of classical art contexts. In cooperation with raum on demand, the mkv presents twelve works by its members in the former gatehouse at Alte Münze in Berlin. As a temporary workspace for Berlin artists, the raum on demand is reinterpreted as an art venue.

 

On a weekly basis, the mkv members realize four exhibitions, creating a space to examine topical themes. Through the spatial restriction of the space, individual works interact. 

 

The exhibition series title INTERLOCK refers to the process driven structure of the exhibition created through the collaboration of its members. Further, it references how existing free spaces within Berlin's cultural landscape are occupied to promote independent initiatives. Over the period of the exhibition, the works in raum on demand are freely accessible at any time via the outdoor space, regardless of opening hours.

INTERLOCK #1: upright body
Kuratiert und mit Arbeiten von / Curated and with works by
Yvon Chabrowski, Aron Lesnik, Ivonne Thein
3. – 7.03.2021

Körper im digitalen Raum sind zu einer Normalität geworden. Durch die Herstellung körperlicher Anwesenheit über technische Medien ändert sich unsere Wahrnehmung auf den eigenen und uns unbekannte Körper. Sie bietet die Möglichkeit Status und gesellschaftlicher Zugehörigkeit zu überwinden. Die Arbeiten von Yvon Chabrowski, Aron Lesnik und Ivonne Thein spiegeln daraus entstehende Diskrepanzen und hinterfragen die mediale Präsenz des Körpers sowie Strategien der Selbstdarstellung.

Bodies in the digital realm have become normal. A physical presence produced by technical devices shifts how we perceive our own and unknown bodies. Perhaps even status or social affiliation can be overcome. The works by Yvon Chabrowski, Aron Lesnik and Ivonne Thein reflect disparities and question both the media presence of the body as well as strategies of self-representation.

INTERLOCK #2: Null Island
Kuratiert und mit Arbeiten von / Curated and with works by
Laura Prosper Fong, Maryna Makarenko, Tina Wilke
10. –14.03.2021

Null Island beschreibt den Ort im Atlantik, an dem sich die geographischen Koordinaten im Punkt Null treffen - eine imaginäre Insel für menschliche Projektionen, die über physische Orte hinausreichen. Ein ehemaliges Pförtnerhäuschen in Berlin Mitte verwandelt sich in dieser Installation in eine mystische Insel, eine Oase imaginärer Welten und nicht existierender Landkarten. Maryna Makarenko, Laura Fong Prosper und Tina Wilke lassen dort einen Dialog über Fragen der Zugehörigkeit, Nostalgie und der Sehnsucht nach dem Unerreichbaren entstehen.

Null Island describes the place in the Atlantic Ocean, where geographic coordinates meet at point zero. It is an imaginary island of human projections that reach beyond physical places. An isolated gatehouse in Berlin Mitte turns into an installation of this mystical Null island, an oasis of imaginary worlds and non-existing maps. There, Maryna Makarenko, Laura Fong Prosper and Tina Wilke initiate a dialogue on questions of belonging, nostalgia, and a desire for the unattainable.

INTERLOCK #3: Schöne Aussichten
Kuratiert und mit Arbeiten von / Curated and with works by
Dovilė Aleksaitė
, Kathrin Hunze, Dani Ploeger
17. – 21.03.2021

Schöne Aussichten zeigt drei unterschiedliche Perspektiven von unvorhersehbaren Prozessen, die in Wechselwirkung zueinander treten. Dani Ploeger thematisiert in seiner Arbeit die Herstellung von Bomben aus Alltagselektronik. Die Videoinstallation von Dovilė Aleksaitė
 führt den Betrachter durch eine Abfolge von Wetterereignissen und verschiedenen emotionalen Zuständen. In ihrer Arbeit untersucht Kathrin Hunze das Mensch-Maschine Verhältnis anhand eines Panzers, der als Haus- und Arbeitstier trainiert ist.

Schöne Aussichten (great prospects) shows three different perspectives of unpredictable processes that interact with each other. Dani Ploeger's work addresses the production of bombs from everyday electronics. Dovilė Aleksaitė's video installation leads the viewer through a sequence of weather events and various emotional states. In her work, Kathrin Hunze explores the human-machine relationship using a tank trained as a domestic and working animal.

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